Komponieren und Samplen mit dem Amiga

Nach dem Einstieg in die Programmiersprache (Amiga-) Basic, erstellte ich für mich nützliche Anwendungen. In einer Lektion meines Fernstudiums wurde mir die Aufgabe gestellt, ein komplexes Programm zur Verwaltung eines Friseurgeschäfts mit mehreren Filialen zu erstellen. Da mir dabei oft der Kopf rauchte, wollte ich etwas Abwechslung und befasste mich mit Computermusik. Erste Kontakte knüpfte ich mit Basic, mit dessen Hilfe ich über ein Librarie den Sound Chip Paula ansprach. Die ersten Töne bekamen nun ein Gesicht in Form von Notenwerten. dmcs 01
 
Schon bald genügten mir die blechernen Töne nicht mehr, die mit Basic entstanden, so entschloss ich mich, eine Profi-Musik-Software zu kaufen. Ein erstes Programm, vorgestellt und beschrieben in einem Amiga-Magazin war das Deluxe Music Construction Set.
 
Bessere Amiga-Klänge mit DMCS  
Das Deluxe Music Construction Set (DMCS) ist ein Musikeditor für den Amiga sowie für den Macintosh, entwickelt von Geoff Brown und John MacMillan. Es war der erste Musik-Editor für den Amiga. DMCS gestattete eine umfangreiche Notation für professionelle Partituren, die ausgedruckt werden konnten. Als das Programm nach Europa kam, wurde es von Electronic Arts (EA) veröffentlicht. Ariolasoft veröffentlichte das Programm in Europa unter Lizenz von EA. Ursprünglich kostete es 65 $. Wie viel DM ich damals hinblättern musste weiß ich leider nicht mehr. Billig war es jedenfalls nicht. dmcs_02
 
Mein DMCS lockte dem Amiga aus vier Kanälen verschiedene Stimmen hervor. Es standen jeweils 15 Instrumente plus Schlaginstrumente zur Verfügung, die jeweils einem Kanal zugeordnet werden konnten. Mein Amiga 500 war somit in der Lage eine 8-Bit-Sample-Wiedergabe und MIDI-Synthese zu nutzen. Professionelle Sample-Wiedergaben und komplexe Musikkompositionen waren mit diesem Programm aber nicht möglich. Diese Aufgabe erledigten spätere Anschaffungen sog. Tracker.
 
Tracker Sound mit dem Amiga erzeugen
Mit einem Tracker lassen sich Musikstücke mit mehreren Instrumenten komponieren, ähnlich wie mit anderer Musiksoftware z. B. DMCS. Der Unterschied ist neben einer einfacheren Benutzeroberfläche, mit Trackern können die Eigenschaften der Stimmen besser angepasst werden. Damit entstehen bereits mit den Standardeinstellungen Effekte, die den Originalinstrumenten ziemlich ähnlich sind. Der Tracker, ein sog. Musik-Sequenzer-Programm wird bedient, indem man einzelne Instrumente mittels eines Rasters als Tonspur aneinanderfügt. Jede Tonspur kann bei Bedarf getrennt bearbeitet werden, indem man die anderen Spuren ausblendet. Tracker zeigen neben weiteren Parametern, die Notenwerte an, wobei Kenntnisse des Notenlesens durchaus von Vorteil sind. Auch Percussion- (Schlag-) Instrumente lassen sich damit in ihrer Tönhöhe manipulieren. Die zusammengesetzten Musikstücke können anschließend synchron wiedergegeben und als Audiodatei gespeichert werden.
 
Folgende Sound Tracker wurden für den Amiga entwickelt:
Ultimate Soundtracker, Pro Tracker, OctaMED, NoiseTracker, Audio Sculpture, Radium, DigiBooster und Oktalyzer.
 
Für meinen Amiga 500 begnügte ich mich noch mit dem Ultimate Soundtracker von Karsten Obarski, der vier Kanäle unterstützte. Meinen Amiga 1200 fütterte ich mit dem Oktalyzer von Armin Sander, der acht programmierbare Kanäle anbot, wie schon aus dem Namen zu entnehmen ist. Lange Zeit war ich völlig zufrieden mit der Musikqualität des Oktalyzers und erst nach der Umstellung auf Windows PCs änderte sich diesbezüglich mein Geschmack. Auf alle Fälle bin ich dankbar, dass ich die Fortschritte selbst nachvollziehen und miterleben durfte. soundtracker