Der Commodore Amiga 1200

Irgendwann ging es mir auf den Wecker, ständig mit der Workbench zu starten oder ständig als einzige Datenträger die Disketten zu wechseln, daher besorgte ich mir 1995 den ersten auf dem Markt erhältlichen Amiga 1200 HD. In diesem Teil, der wie der 500er sein System in der Tastatur beherbergte, war eine Festplatte verbaut mit sage und schreibe 100 MB (später 500 MB) Speicherkapazität. Die Sensation war, man konnte von der Platte tarten. Das Betriebsystem, AmigaDOS, der CLI (Kommandozeileninterpreter) und das Boot-Menü befanden sich nun auch auf der Festplatte. amiga 1200 hd
 
Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, war damals eine Besonderheit, nach dem Einschalten des Computers zuzusehen, wie er von selbst hochfuhr. Noch eine geraume Zeit genoss ich diesen Vorgang, lehnte mich dabei gemütlich zurück und trank eine Tasse Kaffee. Da ich in einer Zeit aufwuchs, in der ein Rechenschieber noch mathematische Aufgaben erledigte, sieht man selbst einen noch so einfachen Computer, wie den Amiga 1200 mit anderen Augen. So ist es auch kein Wunder, dass ich mich speziell mit AmigaBASIC befasste, welches im Lieferumfang enthalten war und damals bereits erlaubte, strukturierte Anwendungen zu programmieren.
 
Weitere nützliche Funktionen steckten tief im Eingemachten. Über sog. Libraries (Programmbibliotheken) konnte man mit AmigaDOS etliche Aufgaben erledigen, die bis zur Hardwaresteuerung reichten. Für den Drucker, zu jener Zeit ein "Nadler" konnte ich damit beispielsweise jede einzelne Nadel präzise steuern.
 
Der Chipsatz, die Entlastung des Hauptprozessors
Die Mikrochips standen beim Amiga 1200 nun alle unter weiblicher Vorherrschaft, denn es regierten neben dem Chef, dem Hauptprozessor, einem Motorola 68EC020 mit einer Taktfrequenz von 14 MHz:

• Custom-Chip Alice, als Nachfolgerin von Agnus
• Grafikprozessor Lisa löste Denise ab
• Soundchip Paula blieb unverändert
 
Mit dem sog. AGA-Chipsatz hatte man besonders die Grafikfähigkeiten von Lisa verbessert. Um einen kleinen Eindruck zu gewinnen, wie diese gesteigerte Leistungsfähigkeit zustand kommt, will ich kurz aufzeigen, wie Lisa schuftet: Der Grafikchip Lisa besitzt 300.000 Transistoren, 3x mehr als ihre Vorgängerin Denise mit ihren etwa 100.000 Halbleitern.
 
Qualität kostet nun mal Geld
Der Amiga 1200 HD bestach nicht nur durch seinen deutlich stärkeren 32-Bit-Prozessor und seinen verbesserten Chipsatz, sondern auch durch einen größeren Arbeitsspeicher von 2 MB (Chip-RAM). Beim 500er hatte ich nur einen Bruchteil dessen zur Verfügung. Die verbaute leistungsfähigere Grafikkarte werkelte mit 32-Bit, was einen flackerfreien Bildschirm garantierte. Für all diese "Zuckerl" musste ein Amiga-Fun einen Betrag um die 1000 DM hinblättern. Eine hohe Bildschirmauflösung, wie sie heute Standard ist, konnte noch nicht hervorgezaubert werden, denn leichtes Pixeln gehörte auch beim 1200er noch zum Markenzeichen des Amigas. Der Amiga 1200 HD schlummert noch heute mit samt dem RGB-Monitor bei mir auf dem Speicher.