Mord am Tisenjoch » Die letzten Stunden von Ötzi

thumb fundstelle Vor ca. 5.300 Jahren, hoch in den Ötztaler Alpen, wo der Gletscher bis tief in die Täler reicht, war häufig Ötzi, ein Jäger unterwegs, der nach erfolgreicher Jagd einen Rastplatz suchte.

Er ruhte sich immer aus, wenn ihn die Bandscheiben plagten. Während der Rast machte er Brotzeit, dabei bevorzugte Ötzi getrocknetes Ziegenfleisch, das er zusammen mit Vollkornbrot verzehrte, dazu trank er klares Quellwasser.
 
Viele Male, führte ihn sein Weg vom Etschtal hinauf zum Tisenjoch im Südtiroler Schnalstal. Ötzi, der Jäger mit Fellmantel, handgenähter Bärenfellmütze und Schuhen aus Stroh, versorgte seinen Clan mit Fleisch und Häuten von Gämsen und Bergziegen. Mit 45 Jahren war Ötzi für die damalige Zeit recht drahtig und galt bei seiner Sippe als angesehener Händler.

Bewaffnet mit Kupferbeil, Feuersteindolch, Bogen und Pfeilen aus Eibenholz,
thumb kupferbeil
 
war er wochenlang unterwegs, immer in der Hoffnung auf reiche Jagdbeute. Ursprünglich stammte Ötzi aus dem Eisacktal, wo er mehrere Jahre in einer Kupferschmiede schuftete, bevor ihn das Jagdfieber packte.

Während seiner Streifzüge musste Ötzi seine Jagdbeute mitunter gegen die Habgier von Wegelagerern verteidigen, dabei trug er nicht selten böse Verletzungen davon. Auch größere Tiere, wie Bären, die er jagte, bescherten ihm zahlreiche Wunden. Zusätzlich kämpfte er sich während seiner Streifzüge durch strenge Winter, begleitet von eisiger Kälte und verheerenden Schneestürmen. Trotz all dieser Unannehmlichkeiten, trieb es ihn immer wieder hinauf in die Südtiroler Alpenwelt.

An einem kalten Wintertag wanderte Ötzi wieder einmal durch die Südtiroler Bergwelt und war schon etwas erschöpft. Er durfte sich, wie so oft, über eine reiche Beute erfreuen, die er in seine Siedlung bringen wollte. Etwa 1000 Meter vor dem Tisenjoch, geriet er in einen Hinterhalt. Ein räuberischer Wegelagerer sprang von einem Felsvorsprung hervor, spannte seinen Bogen und schoss Ötzi von hinten einen Pfeil in die Schulter. Der Räuber riss den wankenden, schwer verletzten Ötzi die Jagdbeute aus der Hand. Ötzi stürzte zu Boden, worauf der Räuber erstmal das Weite suchte.

Nach einigen Minuten erwachte Ötzi aus seiner Ohnmacht, rappelte sich auf und schleppte sich in eine Felsmulde, die sich etwas unterhalb des Tisenjochs befand. Der Räuber beobachtete aus sicherer Entfernung die "Wiederauferstehung" von Ötzi und verfolgte ihn. Gegen Abend, als sich Ötzi auf einer Grasdecke niederließ, sprang der wilde Geselle erneut aus seinem Versteck hervor und bedrohte ihn mit einer Keule. Obwohl Ötzi verzweifelt mit dem linken Arm die Keulenhiebe abzuwehren versuchte, wurde er mit brutaler Gewalt am Kopf getroffen. Die Wucht des Schlages riss ein Loch in seine Schädeldecke, was zu einem Schädel- Hirntrauma und dem sofortigen Tod führte. Vermutlich wollte der Angreifer sicher gehen, dass Ötzi bei seinem Clan nichts über den Überfall ausplaudern konnte.
 
thumb oetzi Ötzi wurde noch in derselben Nacht von Eismassen bedeckt. Das raue Klima sorgte dafür, dass sein Körper über Jahrtausende im ewigen Eis verborgen blieb. Der Einschluss im Gletscher entzog dem Körper jegliche Flüssigkeit und er wurde vollständig mumifiziert. 1991 fand ein Ehepaar aus Süddeutschland während eines Bergwanderurlaubs die Gletschermumie.

Aus dem geschmolzenen Schnee ragten Ötzis Kopf und Schultern heraus.
 
Die Wanderer vermuten zuerst, ein verunglückter Skifahrer hätte dort sein eisiges Grab gefunden. Nach der Bergung stelle sich schon bald heraus, dass es sich um einen Sensationsfund aus der Kupfersteinzeit handelte. Das Ehepaar erhielt einen satten Finderlohn, während sich Österreich und Italien um die Mumie stritten. Letztlich hat Südtirol das Rennen gewonnen und Ötzi ruht klimageschützt im archäologischen Museum in Bozen.

Da die Mumie in den Ötztaler Alpen gefunden wurde, erhielt sie den Namen "Ötzi". Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass Ötzi zu den ältesten und besterhaltensten steinzeitlichen Mumien der Welt zählt. Damit erlangte Ötzi nach rund 5.300 Jahren, international große Berühmtheit.